Und: „Ich will mir nach keinem Verfahren vorzuwerfen haben, für meine Klienten nicht alles getan zu haben.“
Nach Abschluss seines rechtswissenschaftlichen Studiums 1990 absolvierte Todor-Kostic in Klagenfurt das Gerichtsjahr, danach war er in jener Kanzlei Konzipient, wo er ab 1995 eine der größten Kärntner Anwaltssozietäten mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht selbst mit aufgebaut hat. Einerseits aus privaten Gründen und andererseits auf der Suche nach neuen Herausforderungen schied Todor-Kostic Ende 2010 aus der Klagenfurter Großkanzlei aus und fusionierte sich mit seiner Lebensgefährtin, Mag. Silke Pachner, die selbst Rechtsanwältin ist, um in Velden am Wörthersee eine neue Kanzlei unter der Bezeichnung TODOR-KOSTIC Rechtsanwälte zu gründen.
Neben der Wirtschaft hat sich Todor-Kostic, Vater zweier Söhne, auf das Europarecht spezialisiert, 2002 schloss er ein Studium an der Donau-Universität in Krems mit dem Master of Law ab. Seine Masterthese widmete er dabei dem europarechtlich verordneten Spam-Verbot, worunter man die verbotene Kontaktaufnahme von Unternehmern mit Kunden ohne deren Zustimmung per Email, Fax oder Telefon versteht.
Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
Eigentlich wollte ich Architekt werden, aber die Juristerei hat mich immer interessiert und begeistert. Es klingt zwar unglaubwürdig, aber schon meine Volksschullehrerin hat zu meinem Vater gemeint, ich solle einmal Rechtsanwalt werden. Es hat mir nämlich immer Freude gemacht mich für andere einzusetzen, sei es als Klassensprecher, als Funktionär der Sportunion Kärnten oder in anderen Vereinen, in welchen ich letztlich immer an der Spitze landete.
Was zeichnet einen guten Anwalt aus?
Sicher einmal die Freude an der Kommunikation. Dazu kommt die Fähigkeit, Positionen bis zur letzten Konsequenz zu vertreten. Ganz wesentlich ist aber: Ein guter Anwalt muss in der Lage sein, sich immer wieder auf neue Konfliktsituationen sowie auf die Persönlichkeit der handelnden Personen – Richter, Staatsanwalt, Gegenanwalt und Parteien - einstellen zu können. Er muss die jeweilige Stimmung ausloten und den Kommunikationsstil der vorherrschenden Situation anpassen können.
Gibt es gewisse Prinzipien im Gerichtssaal?
Oberstes Prinzip ist sicher, in jeder Situation Haltung zu bewahren, man spricht nicht umsonst von der „Würde des Gerichts“. Schreien im Verhandlungssaal ist kontraproduktiv. Ich versuche immer authentisch zu sein, aber gleichzeitig die vorgegebene Stimmung aufzunehmen und konkret darauf zu reagieren: Die Situation entscheidet über die jeweilige Vorgangsweise. Eine gute Rechtsvertretung besteht meiner Meinung nach darin, seinen Verhandlungsstil absolut flexibel zu gestalten.
Sie haben Europarecht studiert. Wie stehen Sie zur EU?
Ich bin ein echter Befürworter des europäischen Gedankens. Dessen wirkliche Realisierung stellt aber angesichts der Vielzahl an Staaten mit ihren eigenen Mentalitäten und Gesetzen eine echte Herausforderung dar. So wird es sehr schwierig sein, ein gesamteuropäisches Zivil- und Wirtschaftsrecht zu schaffen.
Wo sehen Sie die größten Defizite innerhalb der EU?
Heute haben die Unionsbürger noch nicht das Gefühl, demokratisch mitbestimmen zu können. Brüssel ist weit weg und unüberschaubar. Die EU hat zwar auf der einen Seite schon viel gebracht, wie etwa das Aufweichen Macht beherrschender Monopolstellungen und die Förderung des Wettbewerbes, andererseits sind immer wieder auftretende Skandale und das Spesenraubrittertum nicht dazu angetan, Vertrauen in die EU zu erwecken. Trotz der nach wie vor bestehenden Defizite und Vorurteile darf aber eines nicht vergessen werden: Die EU verhindert jede Art von militärischer Aggression in Europa!
Beeinflusst der Anwaltsberuf auch das Privatleben?
Hier gilt es sich zu abzugrenzen. Als Anwalt bist du oft mit sehr viel Negativem konfrontiert und es besteht die Gefahr, dass du das alles in dein Privatleben mitnimmst. Ich habe mir diesbezüglich einen Schutzmechanismus eingebaut: Wenn ich nach Hause komme, lege ich mit meinem Anzug und meiner Krawatte auch diese oft negativen Gedanken mit ab. Sonst ist das alles nur schwer zu schaffen. Allerdings hilft es mir und meiner Lebenspartnerin, wenn wir uns über unsere beruflichen Fragen austauschen.
Ändert der Anwaltsberuf die Mentalität des oder der Betroffenen?
Der Beruf eines Anwaltes befähigt einen dazu, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen zu helfen. Sieht man diese Fähigkeit zu exzessiv respektive steigt sie einem zu Kopf, spielt der Machtfaktor eine gewisse Rolle. Aber diese Gefahr besteht ja auch bei anderen Berufen, seien es Politiker, Wirtschaftsbosse oder Lehrer.
Und was haben Sie sich zur Maxime, zur persönlichen Lebensregel, gemacht?
Als Wirtschaftsanwalt bringt man es immer wieder zu großen Erfolgen, muss aber auch lernen, mit Niederlagen umzugehen. Vor allem das Prozessieren ist ein Auf und Ab, eine Hochschaubahn: Einmal bist du unten, einmal wieder oben. Wie auch immer: Ich will mir nach keinem Verfahren vorzuwerfen haben, für meine Klienten nicht alles getan zu haben.
Wirtschaftsanwälte gelten als „abgehoben“. Ist das so?
Ich möchte trotz „bester Klientel“ weiterhin auch für den so genannten Kleinen Mann tätig sein können. Zwar müssen wir aus Zeitgründen viele Aufträge ablehnen, dennoch behalte ich mir vor zu sagen: Diesen Fall übernehme ich, für den nehme ich mir Zeit, dieser Person will ich bewusst helfen! Das ist mir wirklich ein persönliches Anliegen. Auch wenn du weit oben bist, darfst du nie völlig abheben.
Todor-Kostic - Rechtsanwälte
Karawankenplatz 1 - 9220 Velden am Wörthersee
T +43 (0) 4274 / 200 80 - F +43 (0) 4274 / 200 80-2
office(@)todor-kostic.at - www.todor-kostic.at
Weiter Infos zur Kanzlei Todor-Kostic auf www.firmenvorstellung.com
13.6.10
Geschrieben von: Arno Wiedergut Fotografiert von: Klaus-Ingomar Kropf Mittwoch, den 11. Januar 2012 um 00:00 Uhr









