Angstvolles Hoffen auf Schnee im Winter und Druck durch Billigflüge ans Meer im Sommer zeigen schmerzlich - der Kärntner Tourismus ist kein Selbstläufer mehr. Er braucht präzise gestaltete Emotionen, kärntnerisch und authentisch.
Wie man den Gast in echte Hochgefühle versetzt, zeigte Dr. Christian Mikunda über Einladung der Wirtschaftskammer Kärnten vor rund 450 Tourismusunternehmern in seinem Vortrag am 18. Jänner 2012 im Casineum in Velden.
Was ist dieses einmalige Gefühl, das der Gast mit Kärnten unverwechselbar verbinden soll? Für Christian Mikunda wird dieses Gefühl geweckt von einem Foto, das er selbst als Elfjähriger mit einer einfachen Boxkamera am Klopeiner See geschossen hat. Wobei Mikunda schon damals beim Knipsen unbewusst einige Regeln anwandte, die er später als TV-Regisseur zur Perfektion brachte. Damals wurde das Foto vom See von einem geschickt in Szene gesetzten Baum umrahmt, heute nennt sich dieser Kunstgriff „Framing“ und ist ein beliebtes Stilmittel bei der Gestaltung von Erlebnisinhalten.
Wofür steht Kärnten nun wirklich? Realistischerweise nicht für absolute Hochgefühle („Glory“), wie man sie auf höchsten Bergen erlebt und auch nicht für die Power etwa von Extremsportarten. Das käme nicht authentisch drüber. Was Mikunda als Alternative anzubieten hat, ist aber auch nicht schlecht: Für ihn ist Kärnten schlichtweg „das Paradies“, das es in Szene zu setzen gilt!
Dieses „Paradiesgefühl“ soll schon bald bei Projekten wie dem Alpe Adria Trail oder dem Kärntner Badehaus umgesetzt werden.
Eine wichtige Rolle bei allen Inszenierungen spielt das sogenannte „Brainscript“, das jeder von uns zu bestimmten Lebenssituationen abgespeichert hat. Findet der Gast sein „Brainscript“, also seine persönlichen Vorstellungen von seinem Traumurlaub, bestätigt, wird es der perfekte Urlaub. Abweichungen von den eigenen Vorstellungen dagegen können durchaus verstören. Wie das in einem Hotel ablaufen kann, demonstrierte Mikunda anhand einer Umdeutung des orientalischen Gastfreundschafts-Codex in den mitteleuropäischen Hotelalltag.
Aber auch für den biederen Hardwarebereich hatte Christian Mikunda Tipps: So wie wir große Städte nach genau definierten architektonischen Gestaltungsmerkmalen begreifen, so entscheidet auch in Hotels und Einkaufszentren der bewusste Einsatz von Knotenpunkten, Verkehrsachsen, Landmarks und Distrikten, ob der Gast sich im Haus auf Anhieb wohl fühlt oder ob er bis zu seiner Abreise unruhig herumirrt.
Mit zahlreichen Beispielen aus Kärnten und der Welt untermauerte Christian Mikunda seinen Vortrag.
Christian Mikunda, Dr.phil, gilt als Begründer der Strategischen Dramaturgie. Er berät die Automobilindustrie und den Einzelhandel, Fernsehanstalten und Museen, entwickelt Brandlands und Shopping Malls, findet den »roten Faden« für Städte und Regionen. Als Vortragender wird er weltweit gebucht, als Dozent lehrte er in Wien, Salzburg und München, war Gastprofessor in Klagenfurt und Tübingen und Guest
Speaker an der Harvard University in Boston. Seine Bücher erschienen auch in China, den USA und Korea. In Kärnten half er bei der Entwicklung des Atrio Shopping Centers in Villach, beriet Hotels, Seeregionen und Weitwanderwege.
www.mikunda.com
Die Bilder zur Veranstaltung finden Sie auf:
www.paparazzi1.net
Nachlesetipps:
Fachartikel:
http://www.umdasch-shop-concept.com/images/upload/clippings/Suedtiroler%20Wirtschaft_%20Mikunda_11062010.pdf
http://tv.orf.at/groups/magazin/pool/newtonerlebnis
http://www.absatzwirtschaft.de/content/_p=1004040,an=030401014
Bücher:
Marketing spüren – willkommen am Dritten Ort:
http://www.markenlexikon.com/buch_marketing_spueren.html
Der verbotene Ort oder die inszenierte Verführung:
http://books.google.at/books?id=6CuX8Xl9q6UC&pg=PA50&lpg=PA50&dq=landmark%2Bmikunda&source=bl&ots=vSgZyaFL2c&sig=icWk4DA3-8fjtOnRTV3D7lQ6c_M&hl=de&sa=X&ei=s_EXT8OkMoyosga4j8TFDQ&ved=0CDQQ6AEwAg#v=onepage&q&f=false
Warum wir uns Gefühle kaufen:
http://www.amazon.de/Warum-wir-uns-Gef%C3%BChle-kaufen/dp/3430200687
Geschrieben von: WKK - WKO Fotografiert von: Klaus Kropf Donnerstag, den 19. Januar 2012 um 12:35 Uhr







