Die alleinerziehende Mutter zweier Töchter stammt aus einer kommunistischen Familie. Nach eigenen Angaben war es ihre Oma, die ihr politisches Interesse geweckt hat. Als eine der ersten weiblichen Kranführer Österreichs bei der Voest, hat ihre Oma sie schon früh zu Parteiveranstaltungen aber auch auf Friedensdemonstrationen mitgenommen. „Das waren einschneidende Erlebnisse.“
Nach dem angekündigten Ausscheiden des steirischen KPÖ-Urgesteins Ernest Kaltenegger wurde Claudia Klimt-Weithaler vom Landesvorstand zur neuen Spitzenkandidatin für die steirischen Landtagswahlen 2010 gewählt. Seit März 2010 übt sie die Funktion der Klubobfrau ihrer Fraktion aus.
Seit dem fulminanten Sieg bei den Landtagswahlen 2005, wo die KPÖ Platz drei - noch vor den Grünen und der FPÖ - errungen hat, sitzt die damals dritt-gereihte Klimt-Weithaler im Steiermärkischen Landtag.
Die mit Abstand stärkste kommunistische Partei in Österreich (über 21% bei den Gemeinderatswahlen 2003 in Graz!) ist aus der politischen Realität in der Steiermark nicht mehr wegzudenken.
Wie alle anderen KPÖ-Abgeordneten in der Steiermark verzichtet auch Klimt-Weithaler auf einen Teil ihres Einkommens, das einem Sozialfond zur Verfügung gestellt wird. So wurde über diese Parteiinterne Regelung schon über eine Million Euro für bedürftige Menschen zur Verfügung gestellt. Z.B. Heizkostenzuschüsse für die harten Wintermonate und in einigen Härtefällen sogar Essensgeld für Leute, die nicht einmal genug dafür haben. Durch diese in den Statuten festgehaltene Regelung soll vor allem auch sicher gestellt werden, dass man als Politiker nicht den Bezug zur Realität verliert. 2200 Euro beträgt das Gehaltslimit. „Das ist ein gutes Gehalt, aber es lässt mich auch nicht in irgendwelche Sphären abgleiten. Ich muss mir als Alleinerzieherin genauso überlegen, ob ich mir einen Urlaub leisten kann, da bleibt die Bodenhaftung. Mein Bürotag endet nicht damit, dass ich beschwingt zum Prosecco-Empfang gehe. Ich mache auf dem Heimweg den Einkauf und hole die Kinder ab.“
Bei der steirischen Landtagswahl 2010 trat Klimt-Weithaler erstmals als Spitzenkandidatin für die KPÖ an. Auch ohne das langjährige Zugpferd Ernest Kaltenegger zog die KPÖ wieder in den Landtag ein.
Ernest Kaltenegger, von den Medien liebevoll in Anlehnung an den Vornamen von Ché Guevara „Ernesto“ genannt, wird nach wie vor als der „berühmteste Kommunist Österreichs“ bezeichnet. Zusammen mit dem „dichtenden Kommunisten“ und langjährigen Parteichef Franz Stephan Parteder (beide knapp über 60) übergab er das Feld der Jugend. Beide ursprünglich SPÖ-Funktionäre, der damals noch „sozialistischen Partei“, verließen vor allem aus Protest gegenüber der Aufnahme des Industriellen Androsch als Finanzminister in die damalige Bundesregierung die SPÖ und schlossen sich der KPÖ an.
Nach Ende des Realsozialismus in den ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts, stand die KPÖ vor einer existenziellen Krise. Das Team Parteder-Kaltenegger stand in dieser Zeit für einen modernen, demokratischen und humanistisch orientierten Sozialismus, der den „wildwuchernden“ Kapitalismus zügeln sollte. Durchaus selbstkritisch stehen die steirischen Kommunisten zur Vergangenheit, dennoch sehen sie heute mehr denn je die Notwendigkeit einer sozial orientierten Gesellschaft. „Wir nennen es immer noch Sozialismus“, sagte Parteder kürzlich gegenüber dem Standard.
„Mit dem Marxismus als Kompass“, macht sich die steirische Kommunistin Klimt-Weithaler seit geraumer Zeit für eine Reichensteuer stark. Armutsbekämpfung ist eines ihrer großen Themen. „Es ist nicht egal, wo du hin geboren wirst.“
Sie betont, dass sie nichts gegen reiche Menschen hat, kritisiert jedoch, dass wenn man so viel Geld hat, dass man es ohnehin nie ausgeben könnte, durchaus etwas für die Allgemeinheit abgeben sollte. Schließlich hätten die Milliardengewinne der Konzerne ohne die arbeitenden Menschen nicht erwirtschaftet werden können.
Der Kapitalismus wird spätestens seit der Wirtschaftskrise als gescheitert betrachtet. Die Millionenprämien der Spekulanten und die dubiosen Bankgeschäfte sollten daher nicht nur im Sinne der kleinen Anleger, sondern auch zum Schutze der Arbeitnehmer kontrolliert werden. „Wichtigstes im Land gehört in öffentliche Hand.“
Beim Samstag stattgefundenen 25. Landesparteitag der KPÖ Steiermark wurden neben Klimt-Weithaler auch der Landtagsabgeordnete Werner Murgg und die Knittelfelder Stadträtin Renate Pacher in die Landesleitung gewählt.
Die Lösung einer Dreier-Landesführung soll der Frontfrau Klimt-Weithaler zunächst ihre Arbeit als Klubchefin erleichtern, weil sie ja schließlich alleinerziehende Mutter ist. „Ich persönlich weiß aus den vergangenen fünf Jahren, dass ich mit den beiden sehr gut zusammen arbeiten kann.“
Gleiche Löhne für Männer und Frauen in gleichen Positionen sind ihr ein großes Anliegen. „Leistung lohnt sich für alleinerziehende Mütter, die auch mit zwei oder drei Jobs nicht genug verdienen, um ihre Familie ernähren zu können, schon lange nicht mehr.“
Aber auch als progressive Gegnerin des florierenden Glücksspiels tritt sie entschieden für ein Verbot des „kleinen Glücksspiels“ auf und verlangt u.a. höhere Steuerabgaben für die Betreiber.
Ihre Freizeit verbringt die „Anwältin der Armen“ am liebsten mit ihren Töchtern. Einmal im Jahr mit den Kindern ans Meer zu fahren ist ein Muss für die fürsorgliche Mutter. Früher hat die aktive Facebook-Userin Theater gespielt und Kabarett gemacht. Auch wenn die Freizeit jetzt karg bemessen ist, liest sie nach wie vor gerne und trifft sich mit Freunden.
Geschrieben von: © Thomas Kukovec Fotografiert von: Klimt-Weithaler: © KPÖ Steiermark Dienstag, den 07. Dezember 2010 um 10:58 Uhr







